Corona hat in unserer Gesellschaft die Grenzen des Möglichen verschoben. Auch für unsere Genossenschaft und unsere Mitglieder hat sich in den letzten Monaten einiges geändert. Drei Mitarbeiter*innen berichten, wie die Pandemie ihren Arbeitsbereich beeinflusst hat.

Simone Zückler, Soziales Management

Warum war es notwendig, die Nachbarschaftstreffs vorübergehend zu schließen?

Zum einen waren die gesetzlichen Vorgaben seitens des Senats eindeutig und zum anderen galt für uns grundsätzlich die Aufgabe, unsere Mitglieder zu schützen. Es ist schließlich so, dass der Großteil der Menschen, die die Nachbarschaftstreffs nutzen, zu Risikogruppen gehören.

Wie haben die Mitglieder auf die Schließung der Nachbarschaftstreffs reagiert?

Es herrschte eine große Verunsicherung über das ganze Thema und darum weitgehend die Bereitschaft, die nötigen ­Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Es gab aber auch viele Nachfragen – und Ideen für Ausnahmeregelungen, wie die Treffs genutzt werden können. Die gemeinschaftlichen Begegnungen wurden enorm vermisst.

Die kurze Beschreibung der geplanten Arbeiten lässt es bereits erahnen: Es wird zu erheblichen verkehrstechnischen Behinderungen rund um die Geschäftsstelle und die 1.500 Wohnungen im Quartier kommen. Der Verkehr während der Bauarbeiten ist wie folgt geregelt:

Wir haben dann schnell damit begonnen, Einzelgespräche anzubieten. Vielfach zunächst telefonisch, der Gesprächsbedarf war sehr hoch. Außerdem gab und gibt es eine wöchentliche „Aufmunterungsmail“ – inzwischen als „Newsletter“ – aus unserer Abteilung an alle Ehrenamtlichen und Interessierten. Zudem haben wir ein Onlineangebot geschaffen. Ehrenamtliche hatten kleine Filme aufgenommen: Anleitungen für Fitnessübungen, Geschichten vorgelesen oder Lieder gesungen. Diese haben wir dann online gestellt und den Link über unsere wöchentliche E-Mail verschickt. Das wurde gut angenommen.

Der Einkaufsshuttle in der „Linse“ wurde zum Einkaufsservice umfunktioniert, was viele entlastet hat. Viele Mitglieder hoben auch die große Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft hervor.

Als wir die Nachbarschaftstreffs wieder öffnen durften, war die Freude bei allen groß. Seit dem 1. Juli können sich wieder Gruppen in unseren Räumen treffen. Dafür muss jedoch eine Reihe von Regeln eingehalten werden, die wir in einem Hygienekonzept zusammengefasst haben. Auch wenn die Liste auf den ersten Blick lang und umständlich wirkte, haben sich die Teilnehmer*innen davon nicht abschrecken lassen. Am Ende ist alles eine Frage der Gewöhnung und Routine.

Welche Aktivitäten sind heute wieder möglich?

Viele Gruppen sind wieder gestartet. Eine zentrale Einschränkung ist die begrenzte Personenzahl in einem Raum verbunden mit den Abstandsregeln. Aus diesem Grund achten wir z. B. darauf, dass sich große Gruppen aufteilen und sich im Wechsel nur 14-tägig treffen. Es gibt auch Gruppen, die entschieden haben, dass sie sich gar nicht treffen, so ­beispielsweise das Repair Café. Die „Linse-Tüftler“ sind allerdings wieder aktiv.

Auch unsere Sprechzeiten in den Nachbarschaftstreffs finden wieder statt.

Einige Ausflüge und viele größere Veranstaltungen mussten leider ausfallen. Stattdessen haben wir kleine alternative Ausflüge in Hamburg angeboten, z. B. eine Führung auf einem Biobauernhof, Museumsführungen und einen Schreibworkshop – eben Aktivitäten, die nach den Vorschriften machbar sind.

Gerade in dieser Zeit wird noch einmal besonders deutlich, wie wichtig die Gemeinschaft für das Wohlbefinden, Wohlfühlen und die Gesundheit ist. Daher tun wir alles, um möglichst viel zu ermöglichen.


 

Karsten Schäfer, Hauswart

Wie sah für Sie als Hauswart der Arbeitsalltag unter Coronabedingungen aus?

Da wir nur noch wenig direkten Kontakt zu den Mitgliedern hatten, mussten die Änderungen in den Arbeitsabläufen erst einmal organisatorisch umgesetzt werden. Gewohntes war plötzlich viel aufwendiger. Zu Beginn wusste niemand genau, wie dies und jenes gemacht werden sollte, und vieles lief zunächst nur zäh. Wir Hauswarte, die ja eigentlich meist vor Ort bei den Mitgliedern und in den Objekten tätig sind, mussten plötzlich alles vom Schreibtisch aus erledigen.

Wie sind die Mitglieder mit der Situation umgegangen?

Es war zu merken, dass die Mitglieder mehr aufeinander geachtet haben. In den Treppenhäusern waren überall Zettel aufgehängt, auf denen nachbarschaftliche Hilfe angeboten wurde

Wie hat sich Corona auf die laufende Modernisierung ausgewirkt?

Eine unserer Modernisierungen haben wir zwei Tage vor Beginn der Arbeiten abgesagt, um die Mitglieder und die Handwerker zu schützen. Besonders die Mitglieder waren wenig erfreut darüber. Alle hatten schon ihre Küchen und Badezimmer ausgeräumt und sich darauf vorbereitet, die Wohnungen zu verlassen und in die Übergangswohnungen umzuziehen. Diese mit viel Aufwand geleistete Vorarbeit musste also leider wieder rückgängig gemacht werden. So überraschend und unbequem dies auch war, die „versetzten“ Mitgliedern zeigten alle Einsehen.

Mittlerweile ist die vorübergehend gestoppte Modernisierung jedoch abgeschlossen. Wir hatten den Arbeitszeitraum von vier auf sechs Wochen verlängert, damit nicht zu viele Handwerker gleichzeitig in den Räumen arbeiten mussten. Inzwischen sind alle Mitglieder wieder zurück in ihrem Zuhause.


 

Anke Finger, Leiterin Wohnungsverwaltung

Wie haben sich die Kontaktbeschränkungen auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Es gab nicht unbedingt weniger zu tun, es war nur einfach alles anders. Die Fragen und Probleme, die an uns herangetragen wurden, waren unverändert – bloß fand die Bearbeitung nicht mehr gewohnt direkt in der Geschäftsstelle, sondern von Ohr zu Ohr am Telefon statt.

Vereinzelt gab es coronabedingte neue Anliegen und Sorgen, weil vieles noch so neu und unsicher war. Das alles hat in den Planungen und Besprechungen bei uns eine Menge Mehraufwand bedeutet.

Hat sich die Häufigkeit von Kündigungen und Wohnungsgesuchen durch Corona verändert?

Im ersten Monat mit Corona ist kaum etwas passiert, da war ja das gesamte Leben irgendwie runtergefahren. Aber nach einer kurzen Phase des Innehaltens wurden scheinbar alle Pläne und Vorhaben in Sachen Umzug nachgeholt und die Fluktuationsrate stieg sogar noch deutlich an. Das ist aber auch nicht verwunderlich, wo doch bei uns fast gleichzeitig drei Neubauten bezugsfertig werden.

Haben Mitglieder sich aufgrund finanzieller Probleme infolge der Coronasituation an Sie gewandt?

Glücklicherweise gab es unter unseren Mitgliedern nur wenige, die pandemiebedingt in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Wir hatten diesbezüglich auch schon sehr früh offensiv über unsere Website über die Hilfspakete informiert und auch in der „bei uns“ unsere Unterstützung angeboten.

Wie war es mit der Arbeit im Homeoffice?

Da sind wir uns in der Abteilung alle einig: anstrengend. Zu Hause gab es zwar weniger Störungen und es ließ sich darum besonders effektiv arbeiten – aber wir konnten uns nicht einfach mal eben von Tür zu Tür abstimmen. Das hat uns allen sehr gefehlt. Aber es hat sich auch gezeigt, wie schnell Dinge geregelt werden können. Ich finde es klasse, wie flexibel sich alle auf die neue Situation eingestellt und dazu beigetragen haben, dass alles so gut klappt.

 

 

 

Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG

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