Text: Tilo Schmidtsdorff

Wenn man das eigene Auto abschafft, begegnet einem hin und wieder die Frage „Echt, obwohl ihr Kinder habt?“ Ich erwidere dann: „Nicht obwohl, sondern weil wir Kinder haben.“ Warum? Weil die negativen Folgen übermäßiger Autonutzung allgegenwärtig sind: Luftverschmutzung, Lärmbelastung, Flächenverbrauch und Unfallrisiko sowie eine immense Ressourcenverschwendung für Herstellung und Betrieb. Dies alles weit über die Grenzen unserer Generation hinaus. Die Frage, die mich bewegt, lautet deshalb: Was lässt sich neben der Abschaffung des eigenen Autos noch tun, um eventuell einen kleinen Impuls für „weniger Auto“ zu setzen, ohne vollständig auf die Verfügbarkeit eines Pkw zu verzichten? Die Idee: Eine Carsharing-Station im Quartier.

Welche Vorteile bietet stationäres Carsharing?

 - Kostengünstige Alternative zum eigenen Auto
 - Deutlich weniger Flächenverbrauch und Parkplatzbedarf im Quartier
 - Kein Parksuchverkehr am Heimatstandort
 - höhere Nutzungseffizienz pro Auto
 - flexibleres Mobilitätsverhalten, weniger Autonutzung und Emissionen

Als Anwohner einer Wohnanlage der Hamburger Wohnen im Erika-Mann-Bogen – einer Seitenstraße in Barmbek-Süd bestehend aus Wohnprojekten (Haus-gemeinschaften) – herrschen gute Bedingungen, um ein solches  Vorhaben gemeinschaftlich auf den Weg zu bringen. Hier lebt ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn und ein vitaler nachbarschaftlicher Austausch.

Im Mai 2017 fand sich eine Gruppe von rund 15 Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen, um ein Carsharing-Konzept zu entwickeln. Gemeinsam ist man davon überzeugt, dass eine Carsharing-Station im Erika-Mann-Bogen eine ideale und zeitgemäße Ergänzung des Mobilitätsangebots im Quartier ist.

Die Gruppe formulierte drei zentrale Ziele:

  • Für das Vorhaben soll ein stationärer CarSharing-Anbieter gewonnen werden.
  • Der Standort soll sichtbar und leicht zugänglich gelegen sein.
  • Das Vorhaben soll von einer breiten Unterstützung der ortsansässigen Bevölkerung getragen werden.

In der Folge führte die Gruppe Gespräche mit einigen Carsharing-Anbietern und konnte den Anbieter cambio von der Idee überzeugen. Als Erstes musste cambio einen Sondernutzungsantrag für die benötigten Stellflächen beim Bezirksamt Hamburg-Nord stellen. Als geeigneter Standort wurden zwei Stellplätze im südlichen Seitenarm des Erika-Mann-Bogens ins Auge gefasst. Als Zeichen der Unterstützung der Anwohnerschaft sammelte die Gruppe im Winter 2017/18 in einer Flyer- und Unterschriftenaktion rund 160 Unterschriften – dies ist die überwiegende Mehrheit der im Erika-Mann-Bogen Wohnenden. Außerdem wurden quartiersnahe Organisationen wie die Hamburger Wohnen, die Kirchengemeinde Alt-Barmbek und der Stadtteilrat Barmbek-Süd als Unterstützerinnen gewonnen.

Im Februar 2018 folgte der Sondernutzungsantrag für die Stellplätze beim Bezirksamt Hamburg-Nord durch cambio. Per BürgerInnen-Eingabe wurde zusätzlich der Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg um politische Unterstützung gebeten. Mit gutem Ergebnis: Der Ausschuss beschloss am 26. Februar einstimmig einen Antrag der Grünen und der SPD, mit dem der Ausschuss das Bezirksamt um zügige, wohlwollende Prüfung des Vorhabens -bittet. Der Carsharing-Stein wurde ins Rollen gebracht. Jetzt ist das Bezirksamt Hamburg-Nord am Zug.

 

Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG

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